top of page
  • TikTok
  • YouTube
  • Instagram
  • Facebook

Breithorn (4.164 m) – Genuss Skitour zur Akklimatisierung

  • Autorenbild: Nico
    Nico
  • 3. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Perfekte Bedingungen, bewusstes Tempo und sechs Stunden über 3.900 Meter

Das Breithorn (4.164 m) gehört zu den meistbestiegenen Viertausendern der Alpen und genau deshalb wird es häufig unterschätzt. Die Nähe zu Zermatt, die Seilbahn bis fast auf 3.900 Meter und der vermeintlich „leichte“ Charakter lassen viele glauben, hier ginge es nur um ein schnelles Gipfelfoto. Doch gerade als Skitour im Winter ist das Breithorn ein hervorragender Berg: ideal zur Akklimatisierung, landschaftlich beeindruckend und bei passenden Bedingungen eine echte Genusstour im Hochgebirge.

Wir nutzten die Breithorn Skitour gezielt als Vorbereitung für meine anstehende Aconcagua-Expedition, die eine Woche später starten sollte. Ziel war klar: mehrere Stunden über 3.900 Meter verbringen, ohne Stress, ohne Zeitdruck. Dafür mit maximalem Genuss und Fokus auf sauberes, sicheres Gehen.


Nico Schmoranz Breithorn Gipfel
Nico Schmoranz Breithorn Gipfel (4164m)

Anreise: Entspannt ankommen statt hetzen

Am Samstag, den 27.12., fuhren mein Kumpel und ich in die Schweiz. Keine Nachtfahrt, kein unnötiger Stress. Diesmal bewusst entspannt. Nach der Ankunft gönnten wir uns erstmal eine Pizza, checkten ins Hotel ein und gingen noch einmal gemeinsam die Tour durch: Karten studieren, Ablauf besprechen, Material checken.

Gerade vor hochalpinen Touren ist dieser ruhige Einstieg manchmal entscheidend. Kein Hektik-Modus, sondern ein sauberer mentaler Übergang vom Alltag in die Berge.


Früher Start, aber ohne Eile

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 5:45 Uhr. Frühstück, letzte Checks, Ausrüstung packen, alles routiniert. Anschließend fuhren wir nach Täsch, parkten dort und nahmen um 7:35 Uhr den Zug nach Zermatt. Von dort ging es direkt weiter mit den ersten Gondeln um 8:30 Richtung Klein Matterhorn.

Um kurz nach 9 Uhr standen wir an der Bergstation. Schon hier zeigte sich, dass wir einen absoluten Bilderbuchtag erwischt hatten: wolkenloser Himmel, keine Spur von Wind, kristallklare Sicht. Bedingungen, bei denen man sich leicht verleiten lässt, zu schnell loszugehen.

Für uns war jedoch klar: Tempo rausnehmen. Diese Tour sollte keine Leistungsdemonstration werden, sondern eine bewusste Höhenexposition.


Vom Skigebiet in die Hochalpine Welt

Zunächst bewegten wir uns noch entspannt durch das Skigebiet. Um 10:00 Uhr verließen wir die gesicherten Pisten und wechselten auf den Gletscher. Ab hier änderte sich der Charakter der Tour spürbar.

Wir bildeten eine Seilschaft, da die Spaltenzonen zwar zugeschneit jedoch trotzdem präsent waren. Der Schnee war anfangs noch gut fahr- und gehbar, der Anstieg angenehm gleichmäßig. Nach dem flacheren Abschnitt lösten wir die Seilschaft wieder auf und stiegen kontrolliert weiter Richtung Gipfelbereich.

Das Wetter blieb stabil, die Sonne wärmte angenehm, und es war vollkommen windstill. Es war so warm, dass man die meiste Zeit der Tour nur mit T-Shirt mit Top-Baselayer gehen konnte. Bedingungen, wie man sie im Hochwinter selten erlebt.


Breithorn Route
Breithorn Route

Eisige Bedingungen und bewusste Entscheidungen

Mit zunehmender Höhe änderten sich die Verhältnisse deutlich. Der Schnee wurde immer härter, stellenweise eisig. Einige Gruppen entschieden sich zur Umkehr, andere zogen deutlich schneller an uns vorbei. Wir blieben konsequent bei unserem Plan: langsam, sauber, sicher.

Ursprünglich hatten wir überlegt, zuerst den Mittelgipfel mitzunehmen und anschließend den Hauptgipfel anzusteuern. Doch aufgrund der sehr eisigen und rutschigen Bedingungen entschieden wir uns bewusst dagegen. Statt unnötiges Risiko einzugehen, konzentrierten wir uns direkt auf den Hauptgipfel des Breithorns.

Ab etwa 4.060 Metern montierte ich Harscheisen, was sich als absolut richtige Entscheidung herausstellte. Steigeisen hatten wir dabei, benötigten sie aber nicht. Gerade diese Flexibilität, vorbereitet sein, aber nur einsetzen, was wirklich nötig ist. Das macht für mich sauberes Bergsteigen aus.


Gipfelaufstieg mit Ski - ruhig und kontrolliert

Ich entschied mich, mit Ski bis auf den Gipfel zu gehen. Schritt für Schritt, sauber gesetzt, ohne Hast. Genau diese letzten Meter zeigen, warum Geduld im Hochgebirge entscheidend ist. Kein Raum für Fehler, kein Platz für Ego. Um 13:10 Uhr standen wir schließlich auf dem Gipfel des Breithorns auf 4.164 Metern.


Langer Gipfelaufenthalt = bewusstes Akklimatisieren

Statt nur ein schnelles Foto zu machen, blieben wir lange oben. Wir setzten uns, genossen die Aussicht, ließen die Höhe wirken. Matterhorn, Pollux, Castor. Alles lag klar vor uns. Kein Wind, keine Wolken, perfekte Sicht.

Mir war bewusst, dass meine Aconcagua-Expedition unmittelbar bevorstand. Ziel dort: mehrere Tage deutlich über 5.000 Meter, mit langen Etappen. Deshalb war dieser lange Aufenthalt kein Luxus, sondern Teil der Strategie: den Körper an Höhe gewöhnen, ohne ihn zu stressen.

Insgesamt verbrachten wir rund sechs Stunden über 3.900 Metern. Exakt das, was ich mir für diese Tour vorgenommen hatte.


Abfahrt: Anspruchsvoll trotz Traumwetter

So perfekt der Aufstieg war, so fordernd gestaltete sich die Abfahrt. Der Schnee war mittlerweile hart, teilweise rutschig, und verlangte volle Konzentration. Kein entspanntes Dahingleiten, sondern kontrolliertes Fahren mit sauberer Linienwahl.

Wir ließen uns Zeit, machten Pausen und fuhren schließlich über das Skigebiet zurück Richtung Zermatt. Um 16:35 Uhr waren wir wieder unten im Tal. Müde, aber zufrieden.


Körperliche Reaktion & ehrliche Reflexion

Am Abend bekam ich deutliche Kopfschmerzen. Ein klares Zeichen, dass die Höhe gearbeitet hatte. Kein Drama, sondern ein wertvolles Signal: Die Akklimatisierung hatte eingesetzt, der Körper reagierte. Genau deshalb war es richtig, langsam zu gehen und sich Zeit zu lassen.

Natürlich gab es erneut Pizza zum Abendessen. Tradition muss sein haha.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück entspannt nach Hause.


Fazit: Warum das Breithorn mehr ist als einfach irgendeine Skitour

Das Breithorn hat an diesem Tag eindrucksvoll gezeigt, was es wirklich kann. Nicht als schneller „Seilbahn-Gipfel“, sondern als eine hochwertige Breithorn Skitour im Winter, perfekt geeignet für:

  • bewusste Akklimatisierung für Höhere Berge in den Anden

  • Genusstouren bei stabilen Bedingungen

  • sauberes, selbstständiges Bewegen im Hochgebirge

Diese Tour war kein Wettlauf, sondern ein Statement:

Nicht schneller ist besser!

Sondern kontrollierter, bewusster und nachhaltiger!

Genau so möchte ich Berge erleben. Und genau so bereitet man sich seriös auf große Ziele wie den Aconcagua (6.962 m) vor.

Kommentare


bottom of page